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Bendestorf und sein Niederschlagswasser

Von Peter Krämer

 
  Peter Krämer (BWG) ist Vorsitzender des Bauausschusses.

In den vergangenen zwei Jahren waren in Bendestorf wiederholt Probleme und auch fallweise Schäden durch stärker auftretende Regenwassermengen zu beobachten. Es handelte sich um:

  • Rückstauwasser - weil diverse Abflussschächte nicht mehr versickern, zumal sich die darunter befindliche Bodenschicht so stark verdichtet hat, dass sie, trotz regelmäßiger Reinigungsbemühungen, wie eine Sperrschicht wirkt.
  • Ausspülungen und Erosionen an Straßenrändern aufgrund schlagartig erhöhter Abflussmengen
  • eine größere Durchfeuchtung bzw. leichte Überschwemmung eines tiefer gelegenen Grundstücks im Bereich des Rüschdamms aufgrund der fallweise nicht ausreichenden Abflusskapazität des innerdörflichen Vorfluters
  • Einzelschäden - insbesondere in Kurven von Gefällestrecken aber auch durch eine längere Versickerungsdauer bei unbefestigten Straßen

Insgesamt kann man sagen, dass sowohl die zunehmende Versiegelung von Grundstücken, die wachsenden Niederschlagsmengen bei starken Regenperioden, als auch die topografische Lage von Bendestorf generell (viel Gefälle), diese Entwicklung, die übrigens schleichend gewachsen ist, begünstigt haben. D.h., wir müssen damit rechnen, dass bei größeren Regenfällen verstärkt Wassermengen auftreten, die die Kapazität unserer Abflusssysteme immer wieder überfordern werden.

Es liegt in der Natur der Sache, dass Bürger nach aufgetretenen Regenschäden Abhilfe fordern und verstärkt auf vorbeugende Investitionen hinweisen. Die Gemeinde versucht mit Augenmaß und nach Dringlichkeitsabwägungen die Dinge abzuarbeiten. Inzwischen ist nämlich ein Punkt erreicht, bei dem das bisherige gewachsene Entwässerungskonzept nur noch um den Preis unverhältnismäßig hoher Investitionen und fallweise auch nur unter Einbezug von bedenklichen ökologischen Kompromissen durchhaltbar ist. Das ist für den Ort nicht mehr so ohne weiteres schaffbar.

Um gleich Missverständnissen vorzubeugen: Es geht hier nicht primär um Versäumnisse. Es geht auch nicht um die Unterlassung der notwendigen Wartungs- und Erneuerungsarbeiten. Vielmehr geht es um die Erkenntnis, dass ab einem gewissen Punkt, die Kapazität der Gräben, die Dimensionierung der Rohre, die wachsende Erhöhung der Fließgeschwindigkeiten, die damit zu verkraftenden zusätzlichen Investitionen, der dadurch bedingte Wegfall einer angemessenen Versickerungszeit, unsere örtliche Entwässerung in diversen Punkten zu überfordern droht. Eine Wende ist daher dringend geboten.

Kernstück dieser Wende sind die dezentralen Methoden der Regenwasserbewirtschaftung.

Das bedeutet, dass wir in Bendestorf noch konsequenter auf Möglichkeiten zurückgreifen müssen, Regenwasser an Ort und Stelle zu belassen. Dieser Gedankengang mündet in den Grundsatz: Abflussvermeidung geht vor Entsorgung. Auf die Nennung von rechtlichen Vorschriften, auf versickerungstechnische Einzelheiten, auf Fragen des Gewässerschutzes sowie auf Festsetzungen in Bauleitplänen sei hier bewusst verzichtet.

Zunächst geht es um den wichtigen Hinweis, dass die Bürger und die Gemeinde hier grundsätzlich in einem Boot sitzen. Alle gemeindlichen Entwässerungsinvestitionen müssen aus dem Bendestorfer Haushalt finanziert werden. Dieser speist sich aus dem Steuer- und Gebührenaufkommen der Bürger. D.h., wer seine diesbezüglichen Verpflichtungen aus dem Grundbesitz nicht ernst nimmt, belastet die Leistungsfähigkeit der Gemeinde bei anderen wichtigen Aufgaben.

Zwischenzeitlich hat die Bendestorfer Verwaltung aufgrund einer Initiative des Bauausschusses im Rahmen einer umfassenden Oberflächenwasserkontrolle alle Grundstücke einmal aufgelistet, wo insbesondere an Straßen mit einem Gefälle die grundstückseigene Versickerung nicht ausreichend erscheint. Es handelt sich um eine nennenswerte Anzahl von Grundstücken. Derzeit wird das Thema in den Fraktionen beraten, damit hierzu ein fruchtbarer Dialog mit allen Eigentümern entsteht.

Zu möglichen Abhilfemaßnahmen in Stichworten:

Maßnahmen zur Minimierung der Versiegelung

  • Rückbau und Entsiegelung
  • Kies-Splitt-Decken, Porenpflaster, Rasengittersteine)
  • Einbau wasserdurchlässiger Oberflächenbefestigungen (Rasen, Schotterrasen etc.)
  • Dachbegrünungen

Maßnahmen zur Regenwasserversickerung

  • Flächenversickerung mittels wasserdurchlässiger Materialien
  • Muldenversickerung
  • Rigolenversickerung (hier wird Regenwasser in einen Kieskörper geleitet, zwischengespeichert und zeitverzögert in den Untergrund versickert)
  • Rohrversickerung
  • Schachtversickerung
  • Mulden/Rigolenversickerung
  • Teichversickerung

sonstige Maßnahmen

  • Regenwassernutzung durch Sammlung in einer Zisterne
  • Regenwasserrückhaltung durch gedrosselte Ableitungen

Die Gemeinde verfolgt neben ihren regelmäßigen Wartungen, Reparaturen und punktuellen Versickerungsinvestitionen das Projekt eines Wasserrückstaubeckens auf dem Wiesengelände nördlich des Rüschdamms. Diese Maßnahme kann nur unter Mitwirkung von privaten Grundeigentümern verwirklicht werden. Der Effekt wäre, dass Regenwasser, das der Vorfluter aufnimmt, zurückgestaut werden kann. Damit würde die Überschwemmungsgefahr auf den am Vorfluter gelegenen Grundstücken zwischen Rüschdamm bis zur Straße vor dem Edeka-Markt gebannt.

Im Rückstaubecken könnte eine natürliche Versickerung und Verdunstung stattfinden und letztlich hätte das Becken auch eine Absperrwirkung gegen kontaminierte Einleitungen (z.B. Heizölunfall), die sonst bis zum Angelteich an der Mühle durchfließen könnten.

In den Bendestorfer Haushaltsberatungen für 2006 wurden zwischenzeitlich entsprechende Mittel für das Projekt eingestellt. Das zeigt die hohe Priorität. Politik und Verwaltung haben nunmehr die Aufgabe, dass Projekt möglichst bald zur Realisierung zu bringen.

Veröffentlicht am 26.02.2006 Artikel drucken