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Eingebauter Reibach

Von dem Versuch, günstig eine Geschwindigkeits-Anzeigetafel zu beschaffen

Sie wolle "einen Beitrag zur Verantwortung der Unternehmen im Gemeinwesen leisten", behauptet die Firma K. auf ihrer Internet-Präsenz. Bendestorfer und Jesteburger Geschäftsleute haben einen anderen Eindruck: Sie fühlen sich von dem Unternehmen, das durch Werbung finanzierte Geschwindigkeits-Anzeigetafeln vertreibt, über den Tisch gezogen.

Der Sinn der Anzeigetafeln steht für Experten außer Frage. Das Display, auf dem Autofahrer in großen Lettern ablesen können, wie schnell sie unterwegs sind, führt nachweislich zu einer Reduzierung der gefahrenen Geschwindigkeit — ohne dass den Sündern gleich ein Bußgeld droht. Zudem werden die Daten gespeichert, ermöglichen so Aufschlüsse unter anderem über die Verkehrsbelastung.

Anzeigetafel
Ein so genanntes Temposys-Gerät - ohne Werbetafeln drumherum.

Nach der Gemeinde Harmstorf wollte daher auch Bendestorf so eine Tafel anschaffen; der Bauausschuss beschloss den Kauf. Als dann auch noch Jesteburg Temposündern den Spiegel vorhalten wollte, verfiel die Verwaltung für die Beschaffung der beiden Tafeln auf eine Lösung, die das leere Gemeindesäckel schonen sollte: Die Idee der Firma K. aus W.

Die bietet Kommunen die Anzeigetafeln kostenlos an, wenn sich genügend Sponsoren aus der freien Wirtschaft finden. "Im Zeitalter der Globalisierung wird der notwendige Zusammenhang zwischen der Zivilgesellschaft und sozialer Marktwirtschaft immer klarer. Die Unternehmen als Bürgergesellschaft werden mehr Verantwortung übernehmen", heißt es dazu im schönsten Soziologendeutsch auf der Internetsite der Firma.

Augestattet mit einem Schreiben von Gemeindedirektorin Dr. Annette Manger-Scheller machten sich die Werber der Firma K. auf den Weg — und fanden mehr als ein Dutzend Gewerbetreibende, die sich für ihre Gemeinde und die Sicherheit von Kindern, alten Leuten und anderen schwachen Verkehrsteilnehmern nicht lumpen lassen wollten. Abbuchungsermächtigungen über mehrere zehntausend Euro kamen so zusammen.

Offenbar hatten viele Unternehmer, geblendet durch das amtliche Schreiben, das Kleingedruckte nicht recht beachtet. Dort heißt es, dass der Beitrag für fünf Jahre und zwar auf einmal im Voraus zu leisten ist. Als die Tausender von den Konten abgebucht wurden, fielen dann auch die Spender aus allen Wolken. Flugs ließen sie das Geld zurück buchen und beschäftigen nun einen Anwalt damit, sie aus den Vertragsklauseln zu befreien. Immerhin eine der Tafeln soll bereits geliefert worden sein.

Bendestorfs Politiker haben inzwischen ihren Beschluss bekräftigt, eine Geschwindigkeits-Anzeigetafel regulär zu kaufen. Wird er diesmal von der Verwaltung umgesetzt, soll sie zunächst an der Kleckerwaldstraße aufgestellt werden. Nicht ganz 4.000 Euro kostet das Gerät, das dann auch ohne die Werbetäfelchen drumherum auskommt. Allein von der größten Einzelspende der Gewerbetreibenden hätte man drei solcher Geräte anschaffen können.