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Bendestorf und der "Lügenbaron"

Vor 1000 Jahren wurde der Ort das erste Mal mit exakt datierter Urkunde genannt

Von Wilhelm Marquardt

Um "fernliegenden Missverständnissen" gleich vorzubeugen: Mit dem Freiherrn von Münchhausen verbindet uns Bendestorfer nur zweierlei, zum einen die Freude an seinen fantasievollen Geschichten (die früher in keinem Lesebuch fehlten) und zum andern die Tatsache, dass er in einer Klosterkirche begraben liegt, zu deren Gründung und Erhalt unsere Bendestorfer Vorfahren vor über eintausend Jahren durch ihre Abgaben an jenes Kloster beitrugen.

  Klosterkirche
  Vergrößern!Die Klosterkirche Kemnade.

Und das kam so: Um das Jahr 960 wurde am linken Weserufer zwischen Holzminden und Hameln von zwei Schwestern namens Frederuna und Imma ein Kanonissenstift (Nonnenkloster) gegründet, das später in ein Benediktiner-Kloster umgewandelt wurde. Die frommen und begüterten Damen gehörten dem sächsischen Hochadel an.

Ihr Vater, Graf Wichmann der Ältere, war ein Schwager König Heinrich I (des "Voglers“) und Bruder des sächsischen Markgrafen Hermann Billung. Frederuna, Imma und ihre Brüder Wichmann der Jüngere, Grundherr auch von Bendestorf, sowie Ekbert und Bruno waren also Vettern Kaiser Otto I (des "Großen“), der seinem Vater 936 als König folgte.

Der Kaiser aber privilegierte Hermann Billung gegenüber den Wichmanns, indem er ihn mit herzoglichen Befugnissen ausstattete, wobei der ehrgeizige Onkel seine Stellung ausnutzte und sich an den Gütern der Neffen bereicherte. Wichmann der Jüngere und sein Bruder Ekbert rebellierten und verbündeten sich mit slawischen Fürsten jenseits der Elbe, Todfeinden des Reiches. In einem Kampf zwischen zwei slawischen Stämmen, mit Hermann auf der einen und Wichmann auf der anderen Seite, unterlag der Rebell schließlich seinem im Auftrage des Kaisers operierenden Onkel.

Otto zog nach dem Tode Wichmanns im Jahr 967 dessen Güter ein, übergab einen Teil dem Kloster St. Michaelis zu Lüneburg, einer Gründung des Billungers, und den anderen Teil, zu dem auch Bendestorf gehörte, dem Kloster Kemnade.

In einem zeitgenössischen Bericht Widukinds von Corvey ("Res Gestae Saxonicae"/ Sachsengeschichte) wird sehr anschaulich über den Konflikt zwischen Otto und seinem Vetter berichtet. Nach Widukind waren Wichmanns letzte Worte: "So bringt dem Kaiser mein Schwert, damit er wisse, er könne nun über einen Feind lachen, der erschlagen wurde, oder um einen Blutsverwandten weinen."

Urkunde  
Vergrößern!Die Urkunde Heinrichs II. erwähnt Bennesdesthorp.  

Dass aber Bennedesthorp aus dem Wichmannschen Erbe in den Besitz Kemnades überging, erfahren wir erst aus einer Urkunde Kaiser Heinrich II (des "Heiligen"), der am 2.11.1004 die Stiftungsurkunde seines Großonkels Otto bestätigte, das Kloster zum Reichsstift erhob und dabei die Namen der einzelnen Besitzungen nannte.

Die neue Bendestorfer Chronik, an der Wilhelm Marquardt zurzeit arbeitet, wird aber auf (leider undatierte) Urkunden des Klosters Fulda hinweisen, die Bendestorf zu Lebzeiten Kaiser Karls des Großen (vielleicht auch erst seines Sohnes Ludwig des Frommen) nennt.

1200 Jahre etwa ist es her, dass ein Adliger namens Benno, der mehrere Dörfer an der Seeve besaß, dem Kloster Fulda schenkte, was ihm "in diesen Dörfern gehörte": An erster Stele wird "Bennestorf" genannt, dann folgen u.a. Linturst (Lindhorst), Helmlecestorf (Helmstorf), Lunenloga (Lüllau) und Cleggendorf (Klecken).

Der wohl um sein Seelenheil besorgte Benno - die Mönche sollten nach seinem Tode für ihn beten - könnte ein Vetter Karls des Großen und dessen Waffengefährte bei der Eroberung und Christianisierung des alten Sachsenlandes gewesen sein.

Besucher Fuldas wissen, dass Bonifatius, der "Missionar der Deutschen", sein Lieblingskloster Fulda als seine letzte Ruhestätte wählte. Am 5. Juni 754, achtzig Jahre alt, erlitt er unter den Friesen den Märtyrertod.

Bendestorfer Bauern haben also zum Unterhalt des Bonifatius-Klosters beigetragen – was belegt, wie schon vor 1200 Jahren ein kleines Dorf in die große Welt hinein wirkte.

Autor: Wilhelm Marquardt (2004)
Veröffentlicht am 30.10.2004, ergänzt 03.12.2007 Artikel drucken